Der beste Weg, die Zukunft vorherzusagen, besteht darin, sie zu gestalten. 3|3

0 Bernd Westermeyer

Liebe Roßleberinnen und Roßleber,

in meinem letzten von ins gesamt drei Blog-Beiträgen gehe ich auf jene Eurer Fragen ein, die mir in beeindruckender Weise bewusst machten, wie intensiv sich viele von Euch bereits deutlich vor dem Abitur mit der Zukunft und der Zeit nach dem Schulabschluss beschäftigen.

Empfehlungen zu spezifischen Ausbildungswegen und Universitäten kann ich angesichts von allein in Deutschland über 9.000 Bachelor-Studiengängen nicht geben. Ebenso wenig pauschal anwendbare Rezepte zur Vermeidung von Fehlern bei der Studien- und Berufswahl. Hilfreich ist nach dem Abitur aber gewiss eine Phase der aktiv gestalteten Orientierung, die an zahlreiche in der Roßleber Oberstufe bereits gegebenen Hilfestellungen anknüpft. „Schnupper-Praktika“ in interessant erscheinenden Tätigkeitsfeldern, gut vorbereitete (!) „Work & Travel-Erfahrungen“ im Ausland, ein freiwilliges soziales Jahr, einige Monate freiwilliger Wehrdienst oder auch die klassische Lehre in einem Unternehmen Eurer Wahl erweitern nicht nur den Horizont. Sie geben Euch außerdem Gelegenheit, ein mögliches Hochschulstudium einmal vom Ende, also vom angestrebten Berufsfeld her, anzugehen. Schließlich ist ein ganz reales Beschäftigungsverhältnis oder eine Unternehmensgründung nach 15–20 Jahren der schulischen und universitären Vorbereitung ja auch das Ziel all Eurer Mühen.

Im freien Blick nach vorn solltet Ihr nach dem Abitur also versuchen, zunächst ein Tätigkeitsfeld zu identifizieren, das Euch besonders reizt: Vielleicht begeistert Euch beispielsweise die zunächst noch ganz allgemeine Vorstellung, kranken Menschen helfen zu können. Ob es am Ende dann eher in die Humanmedizin, die Klinische Psychologie, die Pharmazie, die Medizintechnik oder einen anderen Bereich der Medizin geht, könnt Ihr in einem zweiten Schritt über die bereits angesprochenen Praktika, angemeldete Besuche in Kliniken oder auch Beratungsgespräche mit Ärzten, Psychologen, Apothekern und anderen Vertretern medizinischer Berufe herausfinden. Sofern Euer grundsätzliches Interesse und Euer Enthusiasmus dann bis zum Ende dieses Findungsprozesses und der Auswahl eines konkreten Studiengangs nicht nachlassen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Euch die aus Eurer Passion erwachsende besondere Motivation während des Hochschulstudiums stabil tragen, auch über gelegentliche Durststrecken und Misserfolge hinweghelfen und im späteren Berufsleben glücklich machen wird.

Wertvolle Orientierung und Rat könn(t)en Euch neben Menschen in Eurem unmittelbaren Umfeld anfangs vor allem auch die Absolventinnen und Absolventen Eurer eigenen Schule geben. Erfreulich viele von ihnen sind sehr erfolgreich unterwegs, als Alumni organisiert, über die Alten Roßleber und Freunde (verein@rossleben.com) ohne Aufwand ansprechbar und bestimmt gern bereit, ihre Erfahrungen mit bestimmten Hochschulen und Studiengängen sowie den von ihnen gewählten Berufen weiterzugeben.

Trotz sorgfältiger eigener Überlegungen und bester Beratung werden die meisten von Euch übrigens die Erfahrung machen, dass das menschliche Leben nur bedingt planbar ist. Beunruhigen sollte Euch dieser Umstand jedoch nicht: Ihr lebt und lernt in Freiheit, Sicherheit und Wohlstand und genießt (!) in Roßleben eine sehr gute Schul(aus)bildung. Somit habt Ihr deutlich bessere Voraussetzungen, Euch flexibel auf unerwartete Ereignisse oder sich verändernde Rahmenbedingungen einzustellen, als Millionen Gleichaltriger in anderen Ländern der Welt.

Entscheidend für Eure und unser aller Zukunft wird allerdings sein, dass Ihr nicht nur an Euch selbst denkt, sondern die offenkundigen kleinen und großen Herausforderungen der Gegenwart verantwortungsbewusst annehmt. Ebenso wie in der Ukraine, die sich tapfer gegen einen Aggressor verteidigt, der sein zerstörerisches Tun durch Lügen zu rechtfertigen sucht, braucht es auch in Deutschland Bürgerinnen und Bürger, die sich gegenüber Links- und Rechtsextremen mit Rückgrat für den Fortbestand unseres demokratisch verfassten Gemeinwesens einsetzen. Eine jede Demokratie ist im Übrigen auf mündige Bürgerinnen und Bürger angewiesen. Sie müssen sich im Alltag so umfassend wie möglich informieren, um in der Lage zu sein, gerade auch digital vermittelte Inhalte kritisch auf ihre Plausibilität zu prüfen. Nur auf Grundlage des so gewonnenen Verständnisses der Welt nämlich können sich Bürgerinnen und Bürger gesellschaftlich sinnvoll engagieren und Verantwortung übernehmen. Unverzichtbar sind ferner Frauen und Männer mit Geschichtsbewusstsein. Vor dem Hintergrund der totalitären Diktaturen des 21. Jahrhunderts werden sie die Vielfalt unserer Gegenwart nicht fürchten, sondern als Schatz wahrnehmen. Mit großer Hoffnung erfüllen mich zu guter Letzt kreative Kosmopoliten. Ich verstehe darunter ganzheitlich interessierte und gebildete Menschen, die sich als Weltbürger fühlen und die komplexen globalen Herausforderungen der Gegenwart – etwa wirksamen Umwelt- und Klimaschutz – als Chance begreifen. Als Chance, ihre eigene Zukunft und die Zukunft unseres kleinen Planeten Erde gemeinsam mit anderen hellen Köpfen aus aller Welt zupackend zu gestalten.

Auf eine jede und einen jeden von Euch kommt es dabei an – ganz unabhängig von Eurer Nationalität. Ihr alle habt Potential, Ihr alle könnt über die Sicherung Eurer eigenen Existenz hinaus dazu beitragen, dass unser Globus auch für andere Menschen zu einem lebenswerten Ort wird.

All jenen, die nun bald ins Abitur gehen, wünsche ich zum Abschluss ihrer Zeit in Roßleben nun zunächst aber viel Erfolg und das auch bei fleißigster Prüfungsvorbereitung notwendige Quäntchen Glück!

Mit herzlichen Grüßen vom Bodensee
Euer Bernd Westermeyer

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