Visionär, Familienvater und bald Rektor in Roẞleben 1|3

2 Bernd Westermeyer

Natürlich sind wir alle gespannt, wer der Mann ist, der in Roßleben ab September Internat und Gymnasium leiten und vor allem weiterentwickeln möchte. Bernd Westermeyer ist schließlich kein unbekannter Name in der Privatschul- und Internatelandschaft. Um den neuen Rektor etwas besser kennen zu lernen, habt ihr ihm viele Fragen zukommen lassen. Herr Westermeyer hat sie inzwischen mit Freude beantwortet, und wir möchten seine Ausführungen nun natürlich an euch weitergeben. Im Folgenden könnt ihr den ersten von drei Teilen lesen, in dem Herr Westermeyer über seine Person und die Motivation spricht, nach Roßleben zu kommen.

Bernd Westermeyer mit Sohn Golo und Ehefrau Kerstin

Liebe Roßlebenerinnen und Roßlebener,

ich kann gut verstehen, dass Ihr neugierig seid, wer Euch zum neuen Schuljahr als Rektor ins Haus steht. So, wie es meine Zeit erlaubt, werde ich Eure Fragen zu meiner Person und anderen Themen deshalb gern nach und nach beantworten.

In meiner ersten Mail möchte ich kurz meine Familie vorstellen und umreißen, warum wir uns entschlossen haben, von Baden-Württemberg nach Thüringen umzuziehen: Die Westermeyers, das sind meine Frau Kerstin und ich und seit 2005 auch unser Sohn Golo. Damals wohnten wir in Magdeburg, der Geburtsstadt meiner Frau. Sie arbeitete dort schon vor dem Fall der Mauer als Grundschullehrerin, während ich 1999 als Lehrer ans Ökumenische Domgymnasium Magdeburg kam und dort 2004 zum Stellvertretenden Schulleiter ernannt wurde.

2007 zogen wir in die Landesschule Pforta um. Meine Frau arbeitete fortan an der Naumburger Salztor Grundschule, ich selbst machte als rector Portensis erste Erfahrungen mit den Besonderheiten des Lebens und Lernens an einer alt-ehrwürdigen Internatsschule und Golo erlernte in einer Kindertagesstätte in Bad Kösen begeistert den regionalen Dialekt. Nach fünf erfüllten Jahren in Pforta wurde mir die Gesamtleitung der Schule Schloss Salem angeboten, und da das Land Sachsen-Anhalt als Schulträger deutlich andere Vorstellungen von der Zukunft der Landesschule hatte als ich, entschied ich mich gemeinsam mit meiner Frau, tatsächlich an den schönen Bodensee zu ziehen.

Salem erwies sich mit seinerzeit noch vier Standorten, einer fast 900-köpfigen Schüler- und Mitarbeiterschaft aus über 40 Nationen, zwei schulischen Ausbildungszweigen (Abitur und International Baccalaureate), aktiver Mitgliedschaft in mehreren global aufgestellten Schulnetzwerken und einer ganzen Reihe „geparkter“ Schulentwicklungsthemen als komplexe Aufgabe. Rund zehn Jahre später und um vielerlei Erfahrungen reicher stellte sich mir im vergangenen Herbst die Frage, ob ich meinen im Juli 2022 ablaufenden Arbeitsvertrag verlängern möchte. Die Fortsetzung meiner Tätigkeit in einem eingespielten Team, die weitere Intensivierung der Arbeit mit den Salemer Schülerinnen und Schülern sowie die Umsetzung der gerade erarbeiteten Vision Salems für das 21. Jahrhundert waren als Option ohne Frage verführerisch. Wichtiger aber war meiner Frau und mir der Wunsch, uns noch einmal einer besonderen neuen Aufgabe zu stellen und zugleich die Nähe zu unseren inzwischen lebensälteren Eltern sowie Freunden in Mittel- und Norddeutschland zu suchen.

Dass die Stiftung Klosterschule Roßleben eine Rektorin oder einen Rektor suchte, um nicht „nur“ die Schule zu leiten, sondern im Sinne einer Gesamtleitung die Tagesschule, das Tagesinternat und das Internat zu verklammern, war mir durch Christian v. Witzleben schon einige Zeit bekannt. Wir kennen uns bereits seit fast 15 Jahren, und gern hatte ich versucht, Roßleben bei der Neubesetzung dieser sehr spannenden Leitungsposition durch Ansprache geeignet erscheinender Personen in meinem eigenen Netzwerk zu unterstützen – vergebens.

Im Herbst des vergangenen Jahres wurde mir dann irgendwann bewusst, dass die Klosterschule Roßleben alle Kriterien erfüllte, die mir beim Gedanken an eine neue Schule wichtig waren: Ich suchte nicht nur nach einer Internatsschule mit Historie und Geschichtsbewusstsein. Sehr wichtig war mir außerdem ein ganzheitliches Bildungsverständnis, die Bereitschaft, sich immer wieder neu zu erfinden ohne die bewährten Kerne der pädagogischen Arbeit aufzugeben, ein reiches extracurriculares Angebot, die Mitgliedschaft in einem relevanten internationalen Schulnetzwerk, eine multinationale Schüler- und Mitarbeiterschaft sowie ein familienfreundlicher neuer Lebensmittelpunkt nördlich von Frankfurt a. M..

Meine Frau war von der Idee einer Bewerbung bei der Stiftung Klosterschule Roßleben schnell überzeugt. Sie kennt Roßleben von mehreren Besuchen seit 2011 und konnte sich außerdem gut vorstellen, anders als ursprünglich einmal angedacht bereits vor unserer Pensionierung nach Weimar umzuziehen. Wie die Geschichte im November 2021 schließlich ausging, wisst Ihr. Inzwischen wurde ich durch den Aufsichtsrat der Schule Schloss Salem freigestellt, um bis zum Ende des Schuljahres jeglichen Interessenkonflikt auszuschließen und feierlich verabschiedet. Während Golo in Salem bleiben wird, um hier in zwei Jahren zusammen mit seinen langjährigen Schulfreunden das Abitur zu machen, verabschieden meine Frau und ich uns nun von vielen Weggefährtinnen und -gefährten der vergangenen Jahre und bereiten in Ruhe unseren Umzug nach Thüringen vor. Wir freuen wir uns darauf, Euch und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klosterschule Roßleben kennen zu lernen – umfassend mit Beginn des neuen Schuljahres, gern aber auch schon, wann immer wir eine Stippvisite möglich machen können.


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Constantin Graf von Faber-Castell 07.02.2022

Eine sehr sympathische Vorstellung die Gutes für die altehrwürdige Schule erwarten lässt. Wenngleich ich selbst nie Schüler in Roßleben war (sondern in Neubeuern),so hat meine Tochter ganz entscheidende Jahre in Roßleben verlebt. Dafür bin ich Roßleben sehr dankbar.

Sabine Preuss-Schmitz 19.02.2022

Lieber Herr Westermeyer,
ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie beruflich und privat viel Glück und Erfolg auf Ihrem weiteren Lebensweg.
Für Ihre vielfältige Unterstützung in Ihrer Funktion als Schulleiter hier in Salem und Ihre Freundlichkeit im Umgang mit den Schülerinnen und mir möchte ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken.
Mit den besten Wünschen und herzlichem Gruß